Schon lange wird Kaffee nicht mehr nur aufgebrüht und kommt aus dem Filter. Schon längst haben es junge, attraktive Varianten, wie Kaffee Latte, Mocca oder Espresso in die Herzen der Kaffeetrinker geschafft. Kaffeetrinken wird heutzutage zelebriert, in Kaffee-Ketten in allen größeren Städten, auf der Arbeit, in der Wohnung zu Hause. Kaffeetrinken ist Lifestyle geworden und mehr als nur Koffeinzufuhr. Doch dieses schicke Kaffeetrinken hat auch eine ganz andere Seite, die der Lifestyle-Gesellschaft wahrscheinlich nicht bekannt ist.
Ein Beispiel aus der Praxis: Nespresso verkauft Kaffee verschiedener Sorten in knallbunten Kapseln, in denen der Kaffee in entsprechenden Automaten ganz bequem per Knopfdruck aufgebrüht wird. Die Maschinen sind edel im Design, die Kapseln bieten jede Geschmacksrichtung und Stärke, man kann ganz nebenbei, beim angeregten Gespräch, auf den Knopf drücken und einen frischen Kaffee erhalten. Das ist purer Kaffeegenuss auf höchstem Lifestyle-Niveau.
Contra Leben, dank Kaffee-Lifestyle
Auf ebenso hohem Niveau findet jedoch auch die Ausbeutung der Natur im brasilianischen Amazonasgebiet statt, die für die Herstellung der hippen Kapseln nötig ist. Mehr als 5 Milliarden Kapseln werden jedes Jahr konsumiert und weggeworfen. Die Kapseln bestehen aus Aluminium, das natürlich irgendwo gefördert werden muss. Das geschieht in gigantischen Tagebauminen, für die die Natur weichen muss. Die Verhüttung des Aluminiumerzes Bauxit ist extrem Umwelt belastend und verbraucht Unmengen an Energie (14.000 kWh / 1 Tonne Aluminium).
Die schicken farbenfrohen Kapseln bringen der Natur in Brasilien daher ein buntes Potpourri an Ausbeutung und Zerstörung: So werden Flüsse gestaut, Wasserkraftwerke gebaut und massenhaft Wälder abgeholzt, um die Natur aus dem Weg zu schaffen. Wer dabei ebenfalls im Weg ist, sind die indigenen Völker und Tiere. Klar, dass der verantwortliche Konzern eine positive Öko-Bilanz propagiert, diese gleichwohl unter Verschluss hält. Den Klimawandel aufhalten, geht jedenfalls ganz anders! In der Werbung sollen große Hollywood-Gesichter für ein makelloses Lifestyle-Antlitz der Marke und des Produkts sorgen und das Projekt „Ecolaboration“ verspricht Besserung.
Besser wäre es allerdings, wenn man den Kaffee vielleicht einfach anders verpackt, wie es viele andere Hersteller tun. Sicherlich schmeckt er dann noch mindestens genauso gut und schön bunt machen kann man auch andere Materialien.